Geheimnisvoll ist das Wesen der koptischen Kirche – und noch geheimnisvoller ist jene tiefe innere Verbundenheit, die die Kopten in ihren Herzen tragen, wohin auch immer sie ziehen. Denn die Kirche ist nicht bloß ein Ort des Gebets, sondern ein lebendiges Sein, das im Innersten wohnt; ein Glaube, der pulsiert und den Menschen durch alle Zeiten und über alle Grenzen hinweg begleitet. Wir tragen sie in uns – nicht als bloße Erinnerung, sondern als Leben selbst, als Identität, als eine unaufhörliche, lebendige Beziehung zu Gott.
In der Schweiz – einem Land der Schönheit, der Ordnung, der Kultiviertheit und der Menschenrechte, wo sich atemberaubende Natur mit einem hochentwickelten Lebensstil vereint – entfaltet sich ein besonderes Bild: Kopten, denen die Fremde nicht ihre Wurzeln genommen hat, sondern die sie vielmehr noch tiefer in ihrer Kirche verankert hat. Hier, im Herzen Europas, ist die koptische Kirche zum Mittelpunkt des Lebens geworden, zum Hafen der Seele und zu einem leuchtenden Turm des Glaubens.
In Zürich, jener Stadt, die historisch mit drei großen Heiligen verbunden ist – Felix, Regula und Exuperantius –, deren Ursprünge bis nach Ägypten zurückreichen, erneuert sich die koptische Präsenz in lebendiger und wirkkräftiger Weise. In Solothurn steht die heilige Verena als bleibendes Zeugnis dieser tiefen geistlichen Kontinuität. Ebenso bleibt der heilige Mauritius, der Anführer der Thebäischen Legion, ein unvergängliches Symbol eines Glaubens, der keine Kompromisse kennt – eines Glaubens, den seine Träger mit ihrem Blut besiegelt haben. Es ist, als ob sich die Geschichte erneut vollzieht, wenn wir die Nachkommen dieser Märtyrer sehen, die denselben Weg gehen – wie die Märtyrer von Libyen, die standhaft ihren Glauben bekannten und ihr Leben als lebendiges Zeugnis für Christus hingegeben haben.
Und trotz der Erfahrung der Fremde haben sich die Kopten nicht in sich selbst zurückgezogen, sondern sind schöpferisch geworden, haben sich entfaltet und sich offen und liebevoll in die Gesellschaft eingebracht. Allein in Zürich erfüllen drei koptische Kirchen eine große geistliche und soziale Sendung und sind zu leuchtenden Zentren geworden, von denen Einheit, Liebe und Glaube ausgehen.
In besonderer Weise offenbart sich diese lebendige Kraft in der Jugend der Kirche, die eindrucksvoll bewiesen hat, dass der Glaube keine überlieferte Gewohnheit ist, sondern ein sich stets erneuerndes Leben. Am 22. März brachten sie ein Theaterstück mit dem Titel „Der Kreuzweg“ auf die Bühne – nicht als bloße künstlerische Darbietung, sondern als eine tiefgehende geistliche Erfahrung. Der Saal, der mehr als zweitausend Menschen fasst, war erfüllt von Schweizer und europäischen Familien. Die Resonanz war zutiefst bewegend: Tränen der Ergriffenheit, stille Gebete und ein langanhaltender, herzlicher Applaus, der minutenlang andauerte – Ausdruck aufrichtiger Wertschätzung für ein Werk, das aus dem Herzen hervorging und die Herzen berührte.
Es war ein erhabenes Bild, in dem sich Kunst und Glaube vereinten, Dienst und Liebe ineinanderflossen. Alle – Dienende wie Empfangende – erschienen im Geist der Selbsthingabe, vereint in einem Werk, das darauf abzielte, das Licht Christi in einer lebendigen und greifbaren Weise widerzuspiegeln.
Hinter diesem gesegneten Werk steht ein Priester – nicht nur ein Diener, sondern ein wahrer Vater. Er hat seine Gemeinde in sein Herz aufgenommen und wacht mit Hingabe über das Heil ihrer Seelen. Was einst mit wenigen Familien begann, ist durch Liebe, Treue und Aufopferung zu einer lebendigen, im Glauben verwurzelten Gemeinschaft gewachsen. Er suchte niemals eigenen Ruhm; vielmehr war seine Gegenwart eine stille, aber tiefe Prägung in den Herzen der Menschen. Sein Name ist eingeschrieben in das Leben all jener, die durch seinen Dienst berührt wurden. Er ist ein lebendiges Abbild geistlicher Vaterschaft – eine Vaterschaft, die den Menschen mit Sanftmut, Weisheit und Beständigkeit auf dem Weg Christi führt.
So bleibt die koptische Kirche – wo immer sie sich befindet – eine Sonne, die niemals untergeht: Sie verbreitet das Licht des Glaubens, heiligt den Ort und berührt die Tiefen der menschlichen Seele. In der Schweiz ist sie nicht nur präsent, sondern ein lebendiges Zeugnis dafür, dass wahrer Glaube Grenzen überwindet, Leben verwandelt und die Welt erleuchtet.
Wir sind stolz auf unsere Kirche, stolz auf ihre Jugend und zutiefst dankbar für jede Hand, die in Liebe dient und anderen den Weg erhellt.





