„Ich habe den guten Kampf gekämpft, den Lauf vollendet, den Glauben bewahrt. Hinfort liegt mir die Krone der Gerechtigkeit bereit, die mir der Herr, der gerechte Richter, an jenem Tag geben wird; nicht aber mir allein, sondern auch allen, die seine Erscheinung lieb gewonnen haben.“
(2. Timotheus 4,7–8)
Es fällt der Feder schwer zu schreiben und dem Herzen schwer zu glauben, dass Isis nicht mehr unter uns ist, wie wir sie kannten. Es gibt Menschen, die unser Leben nicht nur streifen, sondern unauslöschliche Spuren hinterlassen – Spuren, die bleiben, solange die Erinnerung lebt, und die selbst nach ihrem Abschied in unseren Herzen gegenwärtig bleiben.
Isis war eine von ihnen.
Sie lebte nicht für sich selbst, sondern für alle, die sie liebten. Ihr Leben war geprägt von Liebe, Hingabe und Vergebung. Ihr Herz kannte nur die Liebe, und ihre Hände kannten nur das Geben. Ihre Freude war es, andere glücklich zu sehen, ihre Ruhe war der Dienst an den Menschen um sie herum, und ihre Erfüllung war das Lächeln auf den Gesichtern derer, die ihr begegneten.
Sie war wie die Sonne: Sie schenkte allen ihre Wärme ohne Unterschied und verbreitete ihr Licht überall, ohne etwas im Gegenzug zu erwarten. Ihre Gegenwart spendete Geborgenheit, ihre Worte säten Hoffnung, und ihr Lächeln hinterließ einen unauslöschlichen Eindruck in den Seelen der Menschen.
Ihr Haus war ein Haus für alle – ein Ort, an dem Freunde und Geliebte unter dem Dach der Liebe zusammenkamen. Fremdheit fand keinen Platz in ihrem Herzen; vielmehr ließ sie jeden, der ihr Haus betrat, fühlen, dass er zur Familie gehört.
Als meine Mutter in die Schweiz kam, war Isis ein lebendiges Zeugnis wahrer christlicher Liebe. Sie nahm meine Mutter und Riham täglich mit zu Spaziergängen, zeigte ihnen die schönen Orte und umgab sie mit Fürsorge und Zuwendung. Noch heute erinnere ich mich an die Worte meiner Mutter, die sie voller Liebe und Stolz wiederholte: „Isis kam sogar bis vor die Haustür, um mich zu empfangen.“ Darin sah sie den Ausdruck eines großen Herzens voller Zärtlichkeit, Menschlichkeit und Liebe.
Isis war ein Vorbild für Aufrichtigkeit, Treue und Echtheit. Sie gab mehr, als sie nahm, und dachte mehr an andere als an sich selbst. Deshalb gewannen die Herzen sie, bevor die Augen sie sahen.
Als die Krankheit kam – dieser schwere Gast, der den Körper erschöpft –, konnte sie weder ihren Geist noch ihren Glauben überwältigen. Ihr Leib litt, doch ihr Licht erlosch nicht. Sie lächelte mitten im Schmerz und tröstete andere, obwohl sie selbst Trost am meisten brauchte. Sie wusste, dass ihr Leben in Gottes Händen lag, und so verbrachte sie ihre letzten Tage in tiefem Frieden und in stiller Hingabe.
Wer ihr in dieser Zeit nahe war, sah mit eigenen Augen, wie Schmerz zum Gebet wurde und Krankheit zum Zeugnis eines lebendigen Glaubens.
Selig bist du, Isis …
Du warst bereit, deinem Herrn der Herrlichkeit zu begegnen.
Selbst auf dem Krankenbett galt dein Verlangen nicht den Dingen dieser Welt, sondern einzig dem Empfang der heiligen Sakramente und dem Hören des Wortes Gottes aus dem Heiligen Evangelium. Deine Seele sehnte sich nach Christus, als bereite sie sich Tag für Tag auf diese heilige Begegnung vor.
Von Herzen danken wir dem ehrwürdigen Vater, Pater Qummus Isidoros, der dich mit väterlicher Liebe umsorgte und all deine Wünsche mit Hingabe erfüllte. Er war ein treuer Diener Christi in deinem letzten Weg.
Heute aber trauern wir nicht wie Menschen ohne Hoffnung. Wir glauben, dass Isis nicht ins Nichts gegangen ist, sondern von der streitenden Kirche in die triumphierende Kirche eingegangen ist, um sich der Schar der Heiligen und Engel anzuschließen, die vor dem Thron der Gnade Tag und Nacht loben.
Sie ist von der Erde des Leidens, der Mühe und der Krankheit hinübergegangen in den Ort der Ruhe, des Lichtes und der ewigen Freude – in den Ort, der ihrer reinen Seele bereitet ist, wo kein Schmerz, keine Tränen und kein Seufzen mehr sind, sondern der Friede Christi, der allen Verstand übersteigt.
Und ich meine fast, die Stimme des Herrn der Herrlichkeit zu hören, wie er sie empfängt und spricht:
„Recht so, du guter und treuer Knecht; du bist über Wenigem treu gewesen, ich will dich über Vieles setzen; geh ein in die Freude deines Herrn.“
Und ich meine auch, ihre sanfte Stimme aus dem Licht zu hören, die zu ihren Liebsten spricht:
Geht euren Weg und bewahrt mein Bild in euren Herzen.
Seht die Vergänglichkeit dieser Welt.
Sucht nicht meine Rückkehr
in das Haus des Leids und der Not.
Ich bin geblieben in meinem wahren Zuhause,
in der Nähe des barmherzigen Gottes,
wo Freude ohne Ende ist
und Trauer aus den Herzen gewichen ist.
Wir sagen dir nicht Lebewohl, Isis …
Denn die Liebe kennt keinen Tod. Die im Herrn Entschlafenen sind nicht fern, sondern gehen uns voraus in das Haus des himmlischen Vaters.
Gedenke unser vor dem Thron der Gnade, wie auch wir deiner in Liebe und Dankbarkeit gedenken werden.
Dein Lächeln bleibt lebendig in unserer Erinnerung, deine Werke werden von dir Zeugnis geben, und dein Leben bleibt Trost für alle, die dich kannten und liebten.
Und bis zum Tag der Begegnung wirst du in unseren Herzen, in unseren Gebeten und in unseren Erinnerungen weiterleben.
Auf Wiedersehen, Isis …




